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Porsche Das deutsche Porsche Forum mit Erfahrungsberichten von Porsche-Besitzern, auch bei technischen Problemen.

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Alt 06.08.2008, 03:53   #1
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Renommee-Modifikator: 0 marioroman pictures ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Porsche Cayman Viagra: TTP Cayman meets TechArt GTsport

Porsche kneift! Wie sonst kann es sein, dass sich der Zuffenhausener Automobilkonzern nicht traut, eine ordentliche Rennsemmel a la GT3 vom Cayman S auf den Markt zu bringen? Gerade im Ausland verkauft sich der schnittige Zweisitzer recht ordentlich. In den Foren wird schon gemeckert, nein, es wird geradezu nach einer starken RS-Version geschrieen und gefordert. Warum verweigert sich Porsche, diesem Flitzer mal ordentlich Potenz einzuflößen? Aus Angst um den Ruf des 911ers? Sorry Jungs, ein Elfer wird immer ein Elfer bleiben. Den stößt so schnell keiner vom Thron.



Doch war es nicht der Boxster, der die Sportwagenschmiede rettete als dieser sprichwörtlich der Arsch auf Grundeis lag? Außer dem limitierten,?BADjüngst angekündigten Cayman S Sport und dem Boxster RS60?BADmit acht schlappen Pferdchen mehr am Start hieß es bis jetzt eher: Außer Spesen nichts gewesen. Kann man nichts machen. Doch Halt! Es gibt da noch das böse Wort „Tuner“! Und hier beginnt die Story vom TTP Cayman und Techart GTsport. Bitte anschnallen!

Dem Porsche Cayman wurde gleich bei seiner Geburt ein bescheidenes Auftreten auferlegt. Dabei sah doch alles so gut aus. Eine Coupé-Variante des Boxsters, Boxer-Mittelmotor im Heck, ein gelungenes frisches Neu-Design. Der perfekte Fänger, um die jüngere, gut betuchte Porsche-Kundschaft anzulocken. Zudem glänzt der Cayman mit extremer Alltagstauglichkeit, einem großen Kofferraumvolumen und - wie soll es anders sein - exzellentem Fahrwerk. Alles super, doch nun die Kehrseite der Medaille.

Der Cayman S ist dermaßen gut gelungen, dass er den Basis Elfer-Modellen auf kurvigen Rennstrecken das Hecheln beibringt. Ein so neutral ausgelegter Mittelmotorsportler hat auch keine Scheu, sich mit dem großen Bruder zu messen. Doch dieses rotzfreche Dasein vom „Schnappi“ bestrafte Porsche mit Kastrierung. Der 295 PS starke Boxer-Motor lässt sich zwar gut dreschen, ist aber durchaus zu mehr Potential fähig. Aber auch ein Rennsatz vom Cayman wird konsequent verweigert. Da bringt Porsche mal einen ordentlichen und bezahlbaren Mittelmotorsportler auf den Markt, lässt ihn aber leistungstechnisch bewusst unter dem 911. Das frustet!



TTP Cayman Stufe 2: Der tollwütige Wolf im Schafspelz

Im bayrischen Kolbermoor direkt an der Grenze zu Österreich, ließ TTP-Chef F. Pietz den Cayman von der Leine. In einer kleinen unscheinbaren Werkstatt wurde der Cayman TTP geboren. Äußerlich blieb der Cayman erstaunlich nah an der Basis. Außer einem Lufteinlass in der Front aus Carbon, verzichtet TTP auf eine eigene Optik. Die elegante Linie des Caymans bleibt erhalten, ebenso das Interieur. Ein wahrhaft bissiger Wolf im Schafspelz.

Die dezent prolligen 19-Zoll-AEZ-Nemesis-Felgen (Reifen vorne 235/35, hinten 295/35) geben dem Cayman in Verbindung mit der extremen Tieferlegung einen deutlich sportlicheren Look. Das schaut hinten herum schick aus, an den Vorderrädern braucht es doch noch ein klein wenig mehr Höhe, um das Gummi nicht ewig mit dem Radkasten schmusen zu lassen.

Man sollte sich die Daten merken; denn dem TTP Cayman wird man - wenn überhaupt - als „Husch und Weg-Blitz“ auf der Autobahn begegnen. Sagenhafte 470 PS bohren die 295er-Hinterradwalzen brutal in den Boden. Für den Druck von 620 Nm sorgen zwei TTP-Turbolader auf Basis K24 mit Edelstahlfächerkrümmern. Im Ansaugrohr sorgt eine integrierte Wasserladeluftkühlung für ein angenehmes Turbo-Klima und auch die Ölkühlung wurde verstärkt. Des weiteren überarbeitete TTP die Zylinderköpfe. Ein Edelstahlabgassystem und eine Carbonairbox mit Sportluftfilter runden das ganze ab. Bildlich ausgedrückt: Für das Fahrspaßgrinsen braucht kein Muskel mehr angespannt zu werden, dieses wird einem gratis ins Gesicht gepresst.



Einmal Platz genommen und den Schlüssel umgedreht, verwöhnt das Ohr der nostalgische Boxer-Sound. Das schönste an dem TTP: Er ist so alltagstauglich geblieben wie er es vorher schon war - nur mit der ihm zustehenden Überdosis an Power. Kaum am Ortsausgangsschild angelangt, krallt sich jeder Muskel, jeder Knochen, jeder Nerv meines rechten Beins in den Boden. Pedal to Metal - gib Gummi.

Hinter mir rumort es, der Motor klingt brummiger als das Original und auf einmal kommt das Hallelujah-Geräusch zum Vorschein - Bamm! „Geheiligter Bi-Turbo, gesegnet sei Dein Drehmoment“, rauscht es durch meinen Kopf. Bei knapp 4.000 Umdrehungen schiebt der Cayman TTP so gewaltig vor, dass man einfach nicht mehr kann, als die Mundwinkel bis zu den Ohrläppchen anzuwinkeln. Von 0 auf Tempo 100 in 4,3 Sekunden mit Turbo-Wumms. Das ist Drama, das ist Competition, das ist Spaß pur. Und wenn erst einmal die in Nardo bestätigten 324 km/h Endgeschwindigkeit erreicht sind, gibt es keine Ausrede mehr, dieses Reptil für sich zu beanspruchen.

Das Krokodil lässt das Original wie ein Schoßhündchen ausschauen. Wer jetzt denkt, soviel Leistungsüberschuss kann nicht in den Kurven umgesetzt werden, wird hier eines besseren belehrt. Das Sachs-Sportfahrwerk ist optimal auf Kurvenerlegen ausgelegt: straff in den Kurven und doch alltagstauglich im Stadtverkehr - und natürlich kann man damit ordentlich Kreise ziehen. Auf Wunsch gibt es auch eine Differentialsperre.



Der Spritverbrauch orientiert sich 2 bis 3 Liter über dem Original, was noch zu verkraften ist. Sollte es mal hart auf hart kommen, greift die giftige Bremsanlage mit GT3-Scheibenbremsen (vorne 380 Millimeter und 6 Kolben, hinten 355 Millimeter und 4 Kolben) und Keramikbremsblöcken wie der Hulk auf Dope zu. Für lasche 8.000 Tacken sollten die Bremsen das auch können. Die Turbonachrüstung kostet in Deutschland brutto 32.130 Euro. Rechnet man ca. 80.000 bis 90.000 für den Basis Cayman S, liegt der Käufer immer noch weit unter dem „nackten“ 911 Turbo, der bei 140.000 Euro beginnt.

Fazit zum TTP Cayman Stufe 2: Dieses Automobil hat definitiv Eier! Einziger Kritikpunkt war das zu tiefe Fahrwerk, das sich aber - je nach Kundenwunsch - wieder hochbocken lässt. Das gesamte Fahrpotential mitsamt der Power konnte ich an diesem Tag noch nicht einmal ansatzweise voll auskosten. Dennoch macht dieses Auto süchtig. Besonders positiv fiel mir die Nähe zum Original - insbesondere der Alltagstauglichkeit - auf. Mit diesem Sportwagen braucht der Fahrer den großen Porsche 911 Turbo nicht zu fürchten - auslachen ist wohl eher angesagt.


TechArt GTsport: Einfach nur ein Dre.....

Nach meinem gestrigen Ausritt mit dem TTP Cayman geht es mit einem Mini Cooper Cabriolet nach Stuttgart. Das Grinsen weicht bei der vergleichsweise mutmaßlichen Schneckenfahrt trotzdem weiterhin nicht von meinen Lippen. Warum? Die Antwort ist simpel: TechArt. Kaum auf dem Hof vorgefahren, sehe ich den GTsport auf Basis des Caymans schon spitzbübisch neben einem GTstreet stehen. Weiß wie die Unschuld, will er sich präsentieren. Das hat in etwa die Wirkung, als wenn Mike Tyson sich einen Heiligenschein aufsetzt bevor er ans Ohrenknabbern rangeht.



TechArt gab dem GTsport eine unverwechselbare Optik. In der Front prangert eine dominante Frontschürze mit vier extra Scheinwerfern. Die enormen Lufteinlässe reduzieren allzu großen Auftrieb bei hohem Tempo, weiter unterstützt durch den ausziehbaren Carbon-Splitter. Carbon ziert ebenfalls die Rückspiegel. Die TechArt-Seitenschweller beruhigen derweil den Luftstrom zwischen den vorderen und hinteren Radhäusern.

Für so viel Abtrieb wie möglich, sorgt der Heckflügel mit ausziehbaren Gurny-Flap aus Carbon. Schlussendlich ziert ein Carbon-Diffusor das Heck. Insgesamt schuf TechArt den Grad zwischen einem erfrischend dynamischen Design und hoher Funktionalität. Abgerundet wird das noch durch die fetten 20-Zoll-Formula-Räder im 5-Speichen-Design mit ContiSportContact 3-Pneus. Zurückhaltung? „Nee lass ma stecken,“ denke ich mir.

Nachdem die Formalitäten im Schnellverfahren abgefertigt wurden, reiße ich dem Verwahrer des wertvollen Schlüssels diesen quasi schon im Laufschritt aus der Hand. Mit einem Knopfdruck offenbart sich mir das Innere des GTsport. Selten habe ich einen derart sauber verarbeiteten Innenraum gesehen. Der Ruf von TechArt, ein Porsche-Interieur noch mal edel aufarbeiten zu können, wird hier komplett bestätigt - nicht zuletzt dank der hausinternen Sattlerei.



Im Gegensatz zum TTP, offenbart der TechArt GTsport schon auf den ersten Blick seine Leidenschaft für Rennstrecken. Und das hört auch im Innenraum nicht auf: Alcantara soweit das Auge reicht, rote Sechspunkt-Gurte und die dazu passenden Sportsitze. Wer möchte, kann sich in der hausinternen Sattlerei auch feinstes Leder in den Cayman einpflanzen lassen. Das würde aber diesen herrlichen GT3-Charakter zerstören.

Gerade will meine linke Hand den Schlüssel umdrehen, da kommt der heilige Schlüsselverwahrer auf mich zugerannt und spricht die heiligen Worte: „Ich muss noch einen GTstreet für einen Auftrag auf ein freies Flughafengelände bringen. Willst Du da vielleicht mit?“ Manche Fragen können einfach nur blöd sein. Natürlich! Schlüssel gedreht, der Motor erwacht, Gänsehaut! Der Sound ist - wie soll ich es dezent beschreiben - einfach nur geil. Vor mir fährt das GTstreet Turbo Cabriolet und führt mich, na wohin wohl, im TechArt-Tempo zum Flughafengelände.

Wenn einer wie ich im flachen Hamburg mit langweiligen, unspektakulären, geradegezogenen Straßen lebt, ist selbst der kurvige Trip über die Landstraßen außerhalb von Stuttgart mit solch einer Rennsemmel ein Erlebnis par exellence, für das sich so manch eine langbeinige Schönheit hinten anstellen darf - na gut, ein Platz ist ja noch frei. Aber Schnauze halten - ich will den aufgemotzten Boxer-Sound hören, fühlen und erleben!



Der GTsport ist das genaue Gegenteil vom TTP. Nichts mehr mit lässig mit einer Hand in die Kurve schaukeln lassen. Dieser Cayman macht seinem Namen alle Ehre. Hier soll gearbeitet werden. Die Lenkung ist fühlbar straffer, die TechArt-Schaltwegverkürzung braucht Kraft, das TechArt-Vario-Plus-Gewindefahrwerk unterstützt das PASM-Dämpfungssystem in jeder Kurve. Wer den GTsport ein wenig fliegen lässt, wird automatisch straffer abgedämpft.

Stahlharte Eier hat er, der kleine Schnappi. Die natürlich auch potent besetzt wurden. Neben einer Hubraumerweiterung von 3,4 auf 3,8 Liter stieg die PS-Leistung auf 385 PS an. Damit knackt der GTsport locker die 300er-Mauer bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 303 km/h. Erreicht wurde das durch Sportnockenwellen, ein modifiziertes Saugrohr mit speziellem Luftfiltersystem sowie einer Aluminium-Ansaugspinne. Darüber hinaus pimpt die Edelstahl-Hochleistungsabgasanlage und die überarbeitete Motorelektronik die Leistung weiter hoch.

Nach den ersten Einführungskurven kommen wir im Traum aller Verschleißteilvergewaltiger an. Eine breite Landebahn nur für uns! Der Schlüsselwächter schickt mir sein „Go - Feuer frei“. Schweiß – Stillstand – PSM deaktivieren – Kupplung – Gasschübe – Kupplung kommen lassen – Power – 407 Nm – Hochdrehen – Atmen – 2. Gang – 4,9 Sekunden auf 100 km/h – Tunnelblick – Schneller – 3. Gang – Atmen – Schneller – Halt – Nein – Bremsen – Scheiß drauf – Kupplung – Runter schalten – Kommen lassen – Drift!!! – Haha! – STOPP!



Dreckstück! Du mieses kleines Dreckstück. Ich liebe Dich! Was sucht eigentlich die langbeinige Braut mit dem grünen Gesicht noch hier? Dampf ab, ich bin versorgt. Dieser Rennalligator hält wirklich, was sein Name verspricht: Fahrspaß pur. Mit jeder Kurve gibt es ein Schuss mehr Vertrauen in das Fahrwerk. Das Sperrdifferntial lässt das Heck erst mit ein wenig Vorarbeit ausbrechen. Dann lässt sich der Driftmodus stundenlang aktivieren. Die Bremsen stammen aus dem Carrera S und haben keine Probleme, das 1300-Kilo-Reptil schlagartig zu bändigen.

Auf dem Rückweg geht es direkt in Richtung Autobahn: Vollgasschübe im Stuttgarter Raum. Einwohner aus der Gegend sollten diesen Witz verstehen. Mehr als 260 km/h wollen mir nicht gelingen. Liebend gerne hätte ich noch eine Rennstrecke anvisiert, doch dafür reichte einfach die Zeit nicht.

Nach knapp 7 Stunden und einigen hundert Kilometern ist auch dieser ab 115.000 Euro teure Spaß vorbei. Zerknirscht entreißt mir der Schlüsselwart meine Liebe. Vor mir steht jetzt wieder das Mini Cooper Cabriolet und wartet mit geduldigen 115 PS darauf, von Stuttgart nach Hamburg dirigiert zu werden. Knurr ...



Endfazit:

Zwei unterschiedliche Konzepte bringen es auf den Punkt. Der Porsche Cayman S ist zu mehr bestimmt, als nur unter dem Elfer herumzudümpeln. Ich für meinen Teil habe meine Schrotflinte geladen und muss kurz zur Bank meines Vertrauens, um etwas Geld zu erwirtschaften.


Weiterführende Links:

Text und Fotos: marioroman pictures

Geändert von Turbine (19.08.2008 um 11:49 Uhr).
marioroman pictures ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.08.2008, 03:53  
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Alt 06.08.2008, 08:59   #2
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Cayman-Problem auf den Punkt gebracht! und gleich die Lösung hinterhergeschoben

(wie immer: ) Klasse Beitrag! (ich konnte beim Lesen die ganze Zeit das Schmunzeln nicht unterdrücken)
Positive Beitrags-Bewertung!

Vielen Dank

BeezleBug

Geändert von BeezleBug (06.08.2008 um 09:08 Uhr).
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Alt 06.08.2008, 10:29   #3
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So ging es mir auch, zumal ich den Genuss kam und die Zeit hatte den Cayman Bi-Turbo von TTP ausgiebig mit Romi zu testen. Bei Techart war ich aus zeitlichen Gründen leider nicht mehr dabei.

Dass wir die "Caymänner" auch wirklich auf Herz und Nieren geprüft haben, sieht man hier in folgendem Video (übrigens mit ausdrücklicher Erlaubnis vom freundlichen Herrn Pietz [TTP] ):





Und bevor fragen kommen, nein ich hab meinen Schnappi nicht direkt umbauen lassen, auch wenn es mir in den Fingern juckte, denn der Biturbo Cayman von TTP ist wirklich eine WUCHT!
__________________
Julian

"Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen." Walter Röhrl
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